Ok, auch wenn wir jetz ein wenig abschweifen und in ein anderes Themen-Fahrwasser geraten.
Bereits die erste Deutsche Rechtschreibung (genau, die damals Konrad Duden auf oberste Weisung herausgegeben hat) war ein Kompromisswerk. Und eben seitdem per Verodnung nur für Behörden und Schulen rechtsverbindlich.
Deine Akzentuierung einer Verbindlichkeit würde ich eher als eine moralisch-ethische bezeichnen. Oder?
Abgesehen davon ist ein Regelwerk immer nur eine Bestandsaufnahme für einen zu definierenden Zeitpunkt. Sprache verändert sich permanent und ohne "Leitung von oben". Man muss sich nur mal Texte von vor 100 Jahren durchlesen, erst recht solche aus Goethes Zeit oder davor. Was mich persönlich immer stört ist die zunehmende Aufweichung der Grenze zwischen der Sprech- und der Schreibsprache. In ersterer werden aus Gründen der Zeitersparnis - oder einfach nur aus Bequemlichkeit viele Nuancen weggeschliffen, die in der Schirftsprache bestehen. Aber die mündliche Überlieferung durchdringt immer mehr die Schriftelemente, weil gerade Mails etc. häufig so geschrieben werden, wie man spricht (weil es ja schnell gehen soll, nein, im neuen Deutsch müsste es - regelwidrig! - heißen: Weil, es muss ja schnell gehen.). Zum Beispiel schreibt man: Ich habe einen Schnupfen. Wenn aber die Schriftsprache sich der gesprochenen annähert, liest man in Mails (oder auch hier im Forum) immer häufiger: Ich hab ein Schnupfen. Irgendwann wird diese Regelabweichung zur neuen Regel - weil es eben alle machen. Und dann gibt es einen neuen Duden. Und derlei Prozesse sind permanent tausendfach im Gange. Auch die "Eindeutschungen": Wer weiß noch, dass "Büro" eigentlich aus dem Französischen kommt. Oder "Tschüss" sowas wie eine Gottesanbetung war: "à dieu" (=zu Gott, zu Gott sprechen, gehen etc.) -> Adieu ->Adschö ->Dschö ->Dschöss ->Tschüss ->Tschö.
Der sächschische Genitiv kommt über das Englische auch wieder zurück. Leider manchmal an Stellen, wo er nun überhaupt nicht hingehört, da passt dann "nicht's" mehr......
Undundund - ein unendliches Thema. (Meine Lese-Empfehlung dazu: Dieter E. Zimmer: Deutsch und anders. Eine Sprache im Modernisierungsfieber.)