Dank auch für den Bericht im anderen thread.
Da nicht für. Das ist gute alte Tradition.
Sowas wie Deinen Heimfahrbericht hatte ich gesucht. Klar natürlich, daß sich nach so einem Training vieles auch bei einem selbst auf dem Mopped anders ist......
Soviel anders ist eigentlich nur der etwas spitzer gefahrene Reifen.
Was das "unkomfortabler" angeht - ich glaube das ist im Wesentlichen die (auch bei der SC64 zumindest vorne nicht verstellbare) Druckstufe. Die SC64 hat meines Wissens nur die Zugstufe einstellbar, die die Geschwindigkeit des Ausfederns regelt.
Diese sollte so aus regelungstechnischen Gesichtspunkten so eingestellt werden, dass die Fuhre einen Hauch (wieviel das auch immer sein mag) langsamer aus- als einfedert. Ist das Ausfedern zu langsam, saugt es Dich bei Folgewellen (Wellblechpiste, Schlaglochserien) zu sehr nach unten (z.B. 2mm einfedern, 1mm Ausfedern mehrfach wiederholt und Du bist vollständig eingefedert ohne Reserve für das nächste Event), ist das Ausfedern zu schnell, ist der Ausfederweg weiter als der Einfederweg und die Fuhre nickt nach.
Die Federvorspannung stellt man afair ungefähr so ein, dass man mit der gegebenen Traglast (Fuhre+Fahrer+alles andere) etwa 1/3 des verfügbaren Federwegs eingefedert ist und somit 2/3 nach unten als dynamischen Federweg hat. Beim Fahren in 45° Schräglage hast Du dann fliehkraftbedingt etwa 50% nach oben wie unten.
Korrekterweise sollte die Federrate (die Feder ist nunmal fest verbaut, die Federrate nicht änderbar) zur Traglast passen. Nur durch Umbau einstellbar. Dann stellt man sinnvollerweise zunächst mit der Federbasis (vulgo Vorspannung) auf korrektes statisches Einfedern ein. Danach kann man dann die Druckstufe auf den gewünschten Kompromiss aus Komfort und Fahrgefühl einstellen (aus zuviel Komfort wird schwammig, aus zuviel Fahrgefühl muss der Reifen mehr arbeiten und die Fuhre hüpft womöglich), und schließlich stellt man die Zugstufe wie oben beschrieben ein. Theoretisch hab ich das mittlerweile verstanden, was ziemlich genau so an vielen Stellen nachzulesen ist. Im Detail setzt das aber intensive Auseinandersetzung mit der Materie voraus und viele Fahrversuche.
Aufgrund von Fertigungstoleranzen, Präferenzen bei Fahrgefühl und Komfort, unterschiedlich weichen Reifen halte ich die Übertragbarkeit von Mopped zu Mopped selbst gleichen Typs für fragwürdig. Zumal sich das System bei identischer Federrate auch noch Traglastabhängig ganz anders verhalten kann und warmes Dämpferöl was ganz anderes macht, als kaltes... also auch noch Wetterabhängig!
Bei der Street ist's so, dass mir die Sporteinstellung ein sehr gutes Fahrgefühl macht und lediglich der Komfort etwas leidet, die Fuhre ist damit gefühlt ein wenig "holprig" springt aber nur bei brutalen Dingern (mit 60-70 über diese stummen Polizisten, die's in F überall gibt) - lockere Arme braucht man halt und eher steht man auf den Rasten als dass man auf dem Hintern sitzt... dann ist's genial. Bei der Straßeneinstellung ist zwar Zug und Druck jeweils 3 Klicks weiter auf (weniger gedämpft), aber dann stimmt das Verhältnis gefühlt nicht mehr richtig (im Detail hab ich das nicht untersucht, ob ich die Zugstufe einen Klick mehr auf, oder zu machen müsste, damit's stimmig wird)... Fahrkomfort ist aber besser, man kann sitzen, den Lenker im Griff haben und die Fuhre bleibt fahrbar... auch zügig. Die "Sport"-Einstellung bleibt!
zugrundeliegende Theorie:
- zu federnde Masse und Federkonstante ergeben die statische Einfederung und eine Zeitkonstante (Frequenz der resonanten Schwingung)
- um Durchschlagen zu verhindern wird die Einfederung (Druckstufe) gedämpft/verlangsamt
- dadurch verschiebt sich die Zeitkonstante begünstigend zu größeren Werten (langsameres Schwingen, das nach einmaliger Störung ausklingt)
- um ein Überschwingen beim Ausfedern und somit ein "Nachnicken" zu verhindern wird das Ausfedern (Zugstufe) stärker bedämpft/verlangsamt als die Druckstufe
- es ergibt sich im Idealfall ein System, das nichtmehr schwingen kann, aber bei zu großer Ausfederdämpfung bei Folgestößen mehr und mehr einfedert - daher Zugstufe nur wenig mehr dämpfen als die Druckstufe
Richtig gute Systeme sind dann noch in HighSpeed- und LowSpeed-Dämpfung separat einstellbar was jeweils das Verhalten bei harten Stößen (Asphaltkanten, Schlaglöcher u.ä. -> HighSpeed) und langsamen Ereignissen (Bodenwellen, dynamische Lastschwankungen bei Schräglagenwechsel u.ä. LowSpeed) beeinflusst. Wer das im Griff hat und mit kurzem Druck auf Lenker bzw. Sitzbank "nach Gefühl" für die zu fahrende Strecke gut einstellen kann, der kann was!
Wenn diese Abhandlung Bullshit ist, möge das ein Besserwisser anmerken und ein Moderator den Beitrag löschen... ich hab nur laut gedacht...