Hallo zusammen,
ich kann die Diskussion mit meinen fast 27 Lenzen jetzt vielleicht mal aus Sicht des Sprösslings bereichern. :)
Ich war schon immer ein eingefleischter Honda-Fan. Mit 15 habe ich wochenlang auf dem Bau gearbeitet nebenher, damit ich mir mit 16 eine Varadero 125 leisten konnte. Ein tolles Motorrad war das. Ohne ABS, wie leider fast alle 125er. Aber für mich ein war sie perfekt, weil: Sie ist saugroß für eine 125er. So hatte ich ein Motorrad mit perfekter Ergonomie, die mich sicher durch die Jugend getragen hat bis auf einen kleinen Sturz, der meine Schuld war, weil ich viel zu stark auf der Vorderradbremse in eine Kurve hineingebremst hab, die mit nassem Schlamm von einem Traktor versaut war. Da hätte auch ein ABS nicht mehr geholfen, das war wie Schmierseife. Ansonsten aber habe ich auf ihr einige kritische Situationen dank perfekter Sitzhaltung und Ergonomie sehr sicher gemeistert.
Mit 19 habe ich sie dann verkauft, weil Auto und Motorrad zusammen, das konnte ich mir damals nicht leisten.
Und dann war ich sechs Jahre nur auf vier Rädern unterwegs.
2010 habe ich dann mit 25 den Wiedereinstieg gewagt. Eigentlich wollte ich so um die 600/700 Kubik mit entspannter Sitzhaltung. Dann war ich bei meinem Hondahändler, der eine sehr gepflegte KiloCBF dastehen hatte, auf der ich mich bereits bei der ersten Testfahrt äußerst sicher gefühlt habe. Nach einer Heckhöherlegung ist sie nun perfekt für mich - und ich fühle mich sicher und ich habe sie gut im Gefühl. Das ist beim Motorradfahren die Hauptsache, finde ich. Das ABS ist eine tolle Nebenerrungenschaft, die ich mit dem Kauf der CBF gemacht habe. Auch wenn ich es - bis auf beim Fahrsicherheitstraining bei einer Gefahrenbremsung- noch nie in Aktion gespürt habe, weil ich sehr defensiv fahre.
Also, ich kann mich nur den Vorrednern anschließen: Sicherheit geht beim Wohlfühlen, und der guten Ergonomie los. Man muss sich einfach wohl und sicher auf dem Bock fühlen, mit ihm eine Einheit bilden. Und da ist für kleinere Damen eine CBF 500/600, Kawa ER-5, vielleicht auch eine Suzi SV 650 S oder ähnliches eine sehr gute Wahl für den Einstieg. Da meine gleichalte Lebensgefährtin nur knapp über 1,60 ist, stellte sich für sie die selbe Frage... Sie fährt jetzt eine Suzi SV 650 S, die man gebraucht zu tollen Preisen bekommt und die auch noch eine recht schöne Optik hat. Die Kombination aus Motor und Fahrwerk ist dahingehend unserer Dicken ähnlich, dass sie sich sehr einfach fahren lässt und viel verzeiht, und somit gut geeignet ist für den (Wieder-)-Einstieg.
Und das schöneste: Wir fahren auch mit unseren Vätern, ihr Vater auf einer Suzuki GSX-R 1000 und mein Vater auf Honda NTV 650 Deauville (ohne ABS - aber mit sehr sicherer, entspannter Fahrhaltung für meinen wiedereinsteigenden Vater).
Und das wichtigste ist: Macht euren Kindern klar, dass Sicherheit bei Geschwindigkeit los geht. Vorausschauend fahren und defensiv. Das beste ABS ist das, was man nie braucht. Heizen kann man auf der Rennstrecke, wo es ausreichende Auslaufzohnen gibt. Im Verkehr mangelt es ja leider an allem - Auslaufzonen, motorradfahrerfreundlichen (mit Schaumstoff ummantelten) Leitplanken, Verständnis von Autofahrern... Leider lernen viel zu viele in meinem Alter das erst nach einem schweren Sturz oder Unfall. Viele meiner gleichaltrigen Bekannten, die auch Motorradfahren (vielfach Rennmaschinen...), sagen auch bewusst: Ohne ABS habe ich vorsichtiger gebremst. Die Bereitschaft den Grenzbereich noch weiter auszuloten, scheint wohl zu steigen, je mehr Sicherheitsfeatures verbaut werden. Das ist sicherlich eine extreme Ansicht, aber auch solche Idioten gibt es leider unter uns Zweiradfahrern. Leider.
Vielleicht ist für die besorgten Väter unter euch der Blick aus der Nachwuchs-Generation ja eine kleine Bereicherung :)
Beste Grüße,
SeM