Ersatzfahrzeug CBR650F

KiloZeBeF

Member
Dumm gelaufen. Eigentlich wollt ich die Dicke nur zum 60er bringen - bisschen Ölwechseln und mal jemand anderes drumrum laufen lassen, den lokalen Motorradhandel mit einem bescheidenen Scherflein subventionieren. Hm. "Was steckt denn da im Hinterrad" fragt mich ein ein Mithondist, der ein ähnliches Anliegen hatte wie ich und beim Zigarettenrauchen vor der Ladentür einen Blick auf mein gutes Stück geworfen hatte. Kurz: ein knapp kleinfingerdickes (schätze mal um die 8mm) Stück Metall zentral in der Lauffläche vom Hinterradreifen! Schön, der rund- und blankgenaddelte "Kopf" von dem Teil, besorgniserregend dass das Gummi in Fahrtrichtung reißt und nach hinten einen sicherlich 1-2mm dicken Wulst drückt. Muss weg.
Der Freundliche diagnostiziert dann noch nachvollziehbar ein tauschenswertes HR-Lager... also rund 400 Taler mehr einkalkulieren und nix mit Mittags wieder abholen - so habe ich jetzt etwas mehr als eine Fahrt mit dem Werkstattmobil. Aber zum Thema.

CBR650F! Wow! Hat optisch was. Sieht gefährlich aus. Zumindest im Vergleich zur biederen SC58. Bin gespannt.
Motor an - brööööhhhh... hörbarer Mangel an Hubraum.
Gang rein - flutscht angenehm.
Anfahren - eine ganz merkwürdige Kiste... Kupplung kommt sauspät und das Ding dreht kleinvolumentypisch sauschnell hoch wenn man mal den viel zu langen Leerweg des Gasgriffs überwunden hat. Man sucht also irgenwie eine Leerlaufdrehzahl um 3000 (BRÖÖÖÖHHHH) damit einem der flachbrüstige massearme Motor nicht abstirbt, wenn man die Kupplung falsch einschätzt und kommt sich so (noch stehend) garnicht sportlich sondern ziemlich albern vor.

Irgendwann ist die Fuhre am Rollen - kann eigentlich nur besser werden und das Anfahren ist nach etwas Übung auch weniger peinlich möglich.

Motor? Hm. Den Fünften innerorts? Nö, das will das Ding nicht wirklich haben. Unter 3kUmin läuft das Ding extrem rauh und macht Geräusche, die zumindest ich nicht hören will. Nix mit Brummen... also mit etwas erhöhter Drehzahl und im dritten innerorts. Am Ortschild sanft am Kabel gezogen passiert nicht viel, also weiter, immernoch nix, Anschlag naja... bis 5k sehr smooth - um nicht zu sagen lahm. Freilich nimmt das Motorchen auch schon knapp über 2k bereitwillig Vorschubanforderungen entgegen ohne zu spotzen - setzt die dann aber leider noch nicht spürbar um wenn man von dem rauhen Lauf absieht. Erst ab 4k wird's rund. Danach kommt ein wenig Leben. Später bei warmem Motor finde ich dann heraus, dass nach 6k ausreichend Vortrieb vorhanden ist um flott unterwegs zu sein und ein präsentes Maschinchen unter sich zu haben, das gerne weiterdrehen will. Ab 8k kommt so langsam die Luzi. Wer solche Drehzahlen mag, wird das Teil mögen können. Auch wer's akustisch nicht mag, wird sich freuen, dass sich das mechanisch sehr korrekt anfühlt. Scheint der konstruierte Betriebspunkt zu sein :-)

Getriebe? Hm. Erster Gang saukurz... ist wohl dem Hubraum geschuldet. Letzter Gang so, dass man bei 100km/h etwa 5kUmin auf dem Drehzahlmesser hat. Das fühlt sich nicht verkehrt an - allerdings muss man dann zum Überholen schon nochmal runterschalten, wenn man es eilig hat. Schaltbar ist das Teil allemal.

Fahrwerk? Hm, komplett unauffällig. Das Messer hatte ich aber noch nicht zwischen den Zähnen. Gefühlt ist die etwas strammer als die olle SC58, vermittelt ein gutes Gefühl für das Vorderrad und bleibt dabei angenehm komfortabel. Das Ding ist angenehm.

Bremsen? Hm. Hinten passiert wenig bis nichts, vorne rubbelts komisch wenn man sanft bremst. Anders als meine, aber tut hinreichend. Wie sich das anfühlt, wenn man willenlos rumbolzt muss wer anderes probieren.

Komfort? Hm. Sitzen tu ich saugut - also mit dem Hintern. Sehr straffer Sitz, der sich für mich aber besser anfühlt, als der von meiner Dicken. Nur der Lenker ist an der falschen Stelle. Zu tief, zu schmal. Der halbe Spiegel zeigt meine Oberarme und ich muss zu weit runter gucken um sie zu sehen. Die Handgelenke melden sich nach 30 Minuten Bummelbetrieb. Schade. Geht leider garnicht. Vielleicht zu langsam unterwegs? Windgeräusche übrigens subjektiv angenehmer als bei meiner... und bei flotter Fahrt bleibt angenehm mehr Winddruck als bei der Dicken (mehr als 130 hab ich aber nicht probiert - reicht ja meistens auch), was ein bisschen mehr Motorradfahren ist, als hinter der großen Verkleidung. Fast vergessen, die Füße finden automagisch den richtigen Paltz. Stimmt! Nur der Lenker eben...

Instrumente? Hm. Zu tief, zu klein, zu digital. Zugegeben, den Drehzahlmesserbalken kann man mit dem Ohr ersetzen, die Geschwindigkeitsanzeige ist groß genug und schnell erfassbar - im Prinzip reichts. Ich mag halt runde Analoganzeigen - zumindest für den DZM.

Fazit:
Hübsches Teil, das ordnungsgemäß funktioniert, leicht und handlich ist. Für meinen Geschmack ist der Wohlfühlpunkt des Aggregats zu hochtourig und man mus etwas zu häufig schalten (das gibt sich vermutlich, wenn man eine höhere Grunddrehzahl wählt und sich zwischen 5k und 10k aufhält - aber das muss man dann für sich selbst und seine Mitwelt so mögen).
Verglichen mit der einst gefahren CB1100 wäre die Kleine in meinen Augen aufregender und ansprechender. Die Dicke ist schon sehr korrekt und ich freue mich auf auf den Abholtermin für meine Schwerlastsänfte. (monetäre Aspekte mal völlig außen vor!)

Alle Angaben rein subjektiv und unverbindlich.
 
Epilog

Wieder daheim!
Was ein schwerer Eimer die CBF!
Was ein solide schiebendes Aggregat!
Was eine geschmeidige Kupplung!
Was eine Übersicht! (Spiegel & Instrumente)
Was ein entspanntes Fahren!

Dass die Kopplung an die Straße fehlt, kümmert wenig, wenn man weiß, dass das schon halten wird.
War ein nettes Experiment und es ist gut, dass ich mein Schiff wieder habe.
 
Immer schön, deine Roadbooks.

Und den Epilog liest der geneigte CBF-Fahrer diesmal besonders gerne.

Gruß
Norbert
 
Immer schön, deine Roadbooks.

Der Verfasser dankt für die Blumen!

Und den Epilog liest der geneigte CBF-Fahrer diesmal besonders gerne.

Der nicht minder geneigte Verfasser nutzt sein Fahrzeug im Alltag. Er bevorzugt, Fahrzeuge, die dem Fahrer eine weitestgehend souveräne und unangestrengte Fortbewegung ermöglichen. Der sportliche Aspekt ist ihm tendenziell eher nebensächlich. Ein geneigter Sportlerfahrer wird den Verfasser einen Idioten heißen, oder zumindest einen Kostverächter. Geneigte Leser würden aus dieser Sicht wohl nur unwesentlich besser davonkommen.

Sei's drum. Nach einer kurzen Begrüßungsabendrunde mit dem altbekannten Dickschiff ist das Glück des Verfassers schier maßlos. Nach vier Tagen auf dem Sportler (der ja zugegebenermaßen nur ein halber ist, wenn überhaupt) ist zwar die Entkopplung von der Fahrbahn - der engagierte Sportlerfahrer wird geneigt sein, das Fahrwerk schwammig zu nennen - befremdlich, als Routinier auf dem Raumgleiter weiß man aber, dass diese "Schwammigkeit" sehr dienlich dabei ist, Fahrbahnunebenheiten aus dem Wahrnehmungsbereich des Fahrers zu filtern und so die ungeteilte Konzentration auf eine schöne Linie zu ermöglichen. Dass dabei die gewählte Endübersetzung nahezu nebensächlich ist, führt zu einem Fahrgenuss, der dem Verfasser nahezu jede Ausfahrt zu kurz erscheinen lässt.

So, genug gesabbelt. Ich könnte noch ein Glas Wein trinken und weiter an der CBF-Hymne arbeiten, aber die Gefahr ist groß, dass ich dann noch dicker auftrage oder den Faden vollends verliere oder beides
:-)
 
Ich habe nun schon einiges an großen Motorrädern probe gefahren und vieles von aktiven Motorradfahrern an den entsprechenden Treffs gehört oder Motorrad Tests gelesen. Auch die Fireblade und das kleinere Pendant und die hier beschriebene kleine CBR in die Überlegungen einbezogen (...wer tut sich so etwas eigentlich ohne Zwang an?). Daher bin immer froh wieder meine K-CBF zu besteigen und ihr die Sporen zu geben. Auch wenn es in letzter Zeit doch eher selten war. Noch habe ich keine echte Alternative gefunden. Das habe ich aber auch schon bereits vor einigen Jahren hier im Forum geschrieben. Also kein Bedarf an Veränderung. :018:
 
weitere Familienmitglieder... Erstzfahrzeug 650F

So, die 72er ist gemacht, die Gute neu besohlt, der Räub...äh Freundliche bezahlt.
Ersatzweise hatte ich eine 650F - also die ohne Sportambitionen im Namen und mit weniger Plaste außenrum. Dafür hat die einen vernünftogen Lenker, eine weitestgehend normale Sitzposition - subjektiv ein bisschen Vorderradorientierter als die Dicke. Was soll ich sagen, DIE passt schon ganz gut, wenn man sich damit arrangiert, dass man den Hubraum durch Drehzahl ersetzen muss. Ab 4k ein fluffiges Teil. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es für die Hausstrecke allemal ein nettes Spielzeug ist.
Ich fand zwei Sachen etwas schade. Erstens, dass ich keine Zeit hatte, das Ding ein wenig spazierenzufahren und zweitens (und das relativiert den ersten Punkt) dass es bei Abholung einen fiesen Viergradcelsiusregen geschmissen hat und es auch bei der Abgabe unwesentlich milder(tm) war. Dazwischen lagen zwei Fahrten zur Arbeit, deren wesentliche Dauer von Ampelphasen bestimmt wurde. :boewu7:

Und nun wieder etwas Lobhudel für die Dicke: Ich weiß nicht, ob man die Kleine mit Sozius/a fahren will, auch nicht, ob einem das Ding auf langen Strecken nicht irgendwann auf den Zeiger geht. Ich hab mich damals(tm) schon für die Richtige entschieden...

Die Kleine hat mich mit der 650er-Familie ein wenig versöhnt und der Umstieg auf die Dicke war nicht so extrem wie von der 650R... wer was Kleineres sucht, kann die gerne mal ausprobieren - ist ne Nette (und jetzt nicht im Sinne von "nett ist die kleine Schwester von...").
 
Zurück
Oben Unten