Meine Eindrücke von der CRF:
Vorweg: Ich bin keine Motorjournalist oder Tester, meine subjektive Meinung fusst auf den Erfahrungen mit
ca.20 verschiedenen Motorrädern, die ich bisher länger gefahren habe und am Tag der CRF-Fahrt natürlich
auf dem direkten Vergleich mit dem Anreisefahrzeug zum Händler-nämlich der FJR. Insofern habe nicht den Anspruch
ein ernstzunehmendes oder gar qualifiziertes Urteil über ein kleines technisches Meisterwerk abgeben zu können.
Gleich auf den ersten Honda- Metern umweht trotz 27 Grad Aussentemperatur ein wohltuend kühles Lüftchen meine Beine
und Füße. Die sind von der FJR noch auf gefühlter Kühlwassertemperatur. Ich hatte nie wahrgenommen, dass
die Yamaha-Fußraumheizung so hoch aktiv ist. Erster Pluspunkt für die weinrote CRF.
Vorm Start gab es noch eine kurze freundliche Einweisung bezüglich Fahren mit DCT und Auswahl der Modi, um ungeplante Wheelies
mit unerwünschten Zielorten auszuschließen. An die 2000 Euro Selbstbeteiligung will ich garnicht erst denken. Dafür bekäme man eine
gepflegte Sevenfifty, gebraucht-versteht sich.
Zweiter Pluspunkt: Fahren mit DCT macht das Kradeln irgendwie
easy, die Technik funktioniert tadellos, sowohl beim Rauf- wie beim Runterschalten. Und wenns einem nicht passt, dann gibt
es am linken Lenkerende Knöppchens mit + und - um selber Zahnräder zu verschieben unten im grauen Kasten. Beim Ampelstart
kein lautes Kalong vom ersten Gang, nur ein Dreh am Griff und wie vom Mentalist geschoben gehts sanft vorwärts. Beim automatischen
Gangwechsel auch kein Kalong nicht mal ein Kalöngchen. Könnt ich mich dran gewöhnen.
Der Zweizylinder schiebt gut an, läuft natürlich nicht so seidig wie der Reihenvierer und er tut laut Kunde von seiner
Arbeit. Auf den ersten Kilometern werde ich das Gefühl nicht los, dass Honda die Lizenz für den Sound beim alten Lanz
persönlich eingekauft hat. Das wäre mir für den Dauerbetrieb zu laut und ist sofort ein Ausschlußkriterium.
Man thront sehr entspannt hinter dem breiten Lenker auf der Twin, die digitale, gewöhnungsbedürftige Tachoeinheit immer im Blickfeld. Irgendwo links
ist ein Balken, der einen Drehzahlmesser sein soll. Drehzahl messen kann er, abgelesen werden kann er (fast) nicht, jedenfalls
empfiehlt es sich, aus Sicherheitsgründen dafür besser anzuhalten. Die Tachoanzeige per Ziffern erinnert mich an meine Soehnle-
Waage zu Hause und für einen Moment ist die Serotoninzufuhr unterbrochen, oben im grauen Kasten. Aber weg mit solchen Gedanken.
Die Anzeige tut ihren Dienst und das Display ist sehr gut abzulesen.
Vorm Display eine kleine Scheibe, die dem Wind mehr Einhalt gebietet als das Panoramafenster an der FJR, zumindst ist es leiser am Helm.
Hier hat der Honda-Glaser gute Arbeit geleistet. Sehr gut wäre, wenn sie einfach verstellbar wäre.
Die Sitzbank ist endurogerecht vorne schmal geschnitten, man soll ja auch mal im Stehen fahren können z.B. in der Wüste Gobi. Heute wars
nur ein Stück asphaltierte Eifel, das gemeistert werden musste und für vorgenannten Soehnle-Waagen-Besitzer,
der einen gewissen Komfort schätzt, ist das nicht der richtige Sitz und nach 20km beim ersten Cafe hätte er fast eine Pause eingelegt.
Freude kommt auf, wenn die Güte des Asphalts abnimmt und die Zahl der Schlaglöcher zunimmt. Hier wird ein Sporttourer zur Rappelkiste
und die CRF mit ihrem großen Vorderrad und den langen Federwegen zum Genuß. Trotzdem merke ich jetzt schon, dass ich lieber Rappelkiste
fahre und mir dann die entsprechenden kurvigen Asphaltqualitäten suche, die mit 17 Zoll-Vorderrad irgendwie mehr Spaß machen, zumindest mir.
10 Jahre Motorradbau liegen zwischen meiner FJR und der CRF und es sind zwei grundverschiedene Motorradgattungen. Eine wirkliche
Weiterentwicklung ist das DCT, ein Rückschritt sind die Mäusekinos und die lauten Auspuffe. Für mich ist schnell klar, dass ich keine CRF brauchen werde. War ganz
nett, aber gut zu wissen, was man nicht braucht. Also zurück zum Händler, kein Geschäft, er trägts mit Fassung und möchte mich noch gerne
mit einem Crossrunner bekannt machen. Ich lehne dankend ab, zu wenig Drehmoment. Die weinrote CRF wird wieder in die Halle geschoben.
Damit sind wir wieder beim Alteisen- nicht bei der FJR, sondern nochmal 10 Jahre weiter zurück.
Weinrot ist auch die Sevenfifty, die ich letzten Winter zusammengeschustert habe und heute abend nochmal durch einen warmen Sommerabend
und durchs Kylltal gescheucht habe. Man kann damit genauso viel Spaß haben wie
mit einer flammneuen CRF, habe ich festgestellt. Obs nur an den analogen Anzeigen liegt konnte ich noch nicht abschließend beurteilen.
Gruß
Norbert