Ich kann dir vielleicht ein paar Tipps geben, die aber nicht unbedingt neutral sind.
Für einige Wochen hatte ich im Spätsommer 2016 eine BMW R1100 RS, die mich unterm Strich einen vierstelligen Betrag gekostet hat, bevor sie zum Verwerter gegangen ist. Was war los? Ich hatte sie von privat gebraucht gekauft, hatte aber bei der kurzen Probefahrt zu wenig Fahrpraxis. Somit ist mir nicht aufgefallen, dass die Kupplung total verschlissen war (rutschte beim beherzten Gasgeben durch und man konnte den Motor im Stand im ersten Gang drehen lassen). Dazu kam noch ein leichter Ölverlust am Stirndeckel, so dass die Karre am Ende ein wirtschaftlicher Totalschaden war.
Nun möchte ich hier nicht meine BMW-Leidensgeschichte ausbreiten – hätte ich beim Kauf jemanden mit Sachverstand mitgenommen, wäre alles ganz anders gekommen. Meine Meinung zu BMW-Boxern: Das Fahrverhalten ist vorzüglich. Ich habe die wenigen Touren mit dem Teil genossen. Sitzposition, Fahrwerk und Motorcharakteristik fand ich sehr angenehm. Schön schauen die Dinger sowieso aus.
Technisch sehe ich das Ganze eher skeptisch. Je nach Modell liest man öfter von ABS-Problemen – gut, das Risiko bin ich eingegangen und das ABS funktionierte bei meiner. Es quietscht einmal beim ersten Anfahren, dann geht die Warnleuchte aus und es tut. Richtig doof dagegen: Um die Kupplung zu tauschen, hätte der hintere Bereich des Moppeds komplett zerlegt werden müssen – ein Showstopper in meinem Fall!. Die Kupplung läuft trocken, nicht im Ölbad. Geht also der Simmering kaputt, kannst du die Kupplung tauschen (lassen). Die Bremsscheiben lagern schwimmend, man kann sie also im Rahmen ihrer Lagerung seitlich bewegen. Das klappert ein bisschen, ist aber nicht weiter tragisch. Ersatzteile gehen aber ins Geld. Tja, und dann ist da die Sache mit dem Getriebe. Keine Ahnung, was da bei der Konstruktion schief gelaufen ist, aber BMW konnte es damals nicht. Man landet schon mal zwischen zwei Gängen, es hakt und klemmt eigentlich ständig. Das hat mir durchaus den Fahrspaß ein wenig verhagelt. Man kann sich sicher dran gewöhnen oder man sollte einfach keinen Vergleich zum Japaner haben und das als Normalzustand akzeptieren.
Nach dieser Bauchlandung waren dann Honda CBF1000 und die Yamaha TDM900 im Rennen. Eine TDM wurde mir vor der Nase weggekauft. Somit wurde es die CBF, die ich am Anfang meiner Suche nach als langweiliges Ding weitgehend ausgeklammert hatte. Mittlerweile mag ich meine CBF – mit dem Koffersatz war sie ein perfekter Kauf. Sie ist eben ein typischer Japaner: Nix, um an der Eisdiele auf dicke Hose zu machen, läuft aber problemlos. 98 PS und das Drehmoment machen gut Druck, ohne Angst zu machen. Eine bekannte CBF-Schwachstelle ist die Lichtmaschine, die wohl gerne mal durchbrennt. Optisch finde ich die Höhenverstellung der Sitzbank bescheuert. Ich fahre auf höchster Stufe, so dass da ein Spalt zwischen Sessel und Tank klafft. Ist eben so. Ansonsten kann man die CBF im Originalzustand vernünftig fahren. Ich habe eine Hinterradabdeckung montiert, ein Navi und die Koffer drangeschraubt. Passt soweit!
Mein Fazit: Das emotionalere Mopped ist aus meiner Sicht immer noch die BMW R mit Boxermotor. In der Summe der Eigenschaften würde ich jederzeit wieder zur CBF greifen (oder mich noch einmal auf die Suche nach einer TDM 900 begeben).