'drücken' oder 'legen'

Fred_L

Member
ich habe mal ne Frage an den ostfriesischen Kurvenpeitscher und alle anderen erfahrenen Kurvenjunkies:

ich bin zwar schon 68 Jahre aber auf dem Moped hat jetzt erst meine dritte Saison begonnen - insgesamt ca. 30.000km bisher.

Ich fahre viel mit der Bremer Gruppe und habe von den Fahrern dort schon einiges in punkto Kurvenfahren gelernt.
Mit der Impulslenkung bin ich inzwischen gut vertraut - muß mir diese Art zu lenken aber immer wieder in den Kopf rufen und während der Fahrt trainieren - trainieren - trainieren immer wieder den Lenker anstupsen - anstup - an . . . . .

Bisher bin ich fast nur mit 'legen' in die Kurven gefahren. Das gibt mir in der Kurve eine sehr sichere und stabile Position - speziell bei hohen und sehr hohen Geschwindigkeiten.

Aber bei langsameren Geschwindigkeiten und speziell bei Wechselkurven bin ich dann insgesamt sehr steif - eine schnelle Veränderung des Kurvenradius ist dann oft sehr schwierig. Dazu kommen noch Probleme mit meinen jetzigen Reigen - aber das ist ein anderes Thema.

Das man Kurven auch 'drücken' kann hatte ich nicht auf dem Schirm - bzw verdrängt. Irgendwann kam dann dieser Lichtblitz :001:
In den letzten Wochen bin ich wesentlich mehr mit 'drücken' in die Kurve rein. Und siehe da - ich bin wesentlich schneller und flexibler bei unerwarteten Änderungen in der Kurve oder bei Wechselkurven. Einfach das Moped unter dem Po nach rechts oder links drücken - und schon funktioniert es. Dieses 'drücken' funktioniert bei mir auch sehr gut bei hohen Geschwindigkeiten (ca 130).

Wie haltet ihr dies? Fahrt ihr nur mit 'legen' oder 'drücken' - oder je nach Laune mal so oder so - oder strecken- bzw. geschwindigkeitsangepaßt mal so oder so?

Gruß
Fred
 
Als erstes, erstmal ein ganz fetter Respekt an dich Fred:Froehlich2:
Ich hoffe , dass ich das in dem Alter auch noch so hin bekomme :mx35:

Ich persönlich fahren meistens mit legen, nur bei engeren Kurven wechsel ich zum drücken. Ich bin der Meinung, dass ich so ein wenig mehr Sicherheit habe! Für den Fall, dass ich noch mal nach Korrigieren muss, weil ich mich verschätzt habe oder sie enger ist als gedacht.
 
Da kommt bestimmt noch ne ganz kompetente Antwort ;)

Ich halte es wie meine Vorredner mal so mal so,
könnte das jetzt echt nicht definieren warum ich das nun so oder so mache und müsste dafür ne Runde drehen und bewusst drauf achten.

Gerade bei dem Thema würde ich Dir aber empfehlen ein Fahrsicherheitstraining zu machen, das bringt dann wesentlich mehr als die Frage was wie andere machen :zwinkern:
 
Geht mir genau so mal so mal so, passiert einfach und ich denke da auch gar nicht drüber nach vor der Kurve was ich jetzt machen soll oder muss.
 
Empfehlenswert wäre, zeitweilig zwar zähe Lesekost, wenn man sich mal das Buch von Bernt Spiegel, "Die obere Hälfte des Motorradfahrers" zu Gemüte führt. Viel bewusstes Nachdenken erübrigt sich, wenn man die dort beschriebene Blickführung beim Kurvenfahren trainiert, dass sie in Fleisch und Blut übergeht. Der Körper macht dann schon das, was für die Fuhre der richtige Impuls zum sicheren und gfls. auch zügigen Kurvendurchfahren ist.

Goldwingfahren geht anders, da muss mans sich runterhängen und das Moped im Geläuf hochdrücken, wenn man z.B. an der Ostfriesischen Sauerlandpeitsche :tongue: dranbleiben will. Der Blick im Nahbereich vor´s Vorderrad ist übrigens nicht förderlich für einen runden Fahrstil, aber leider weit verbreitet. Die Idee mit der Teilnahme an einem FST ist hervorragend.

Und dann auch von mir ein grosses Kompliment, dass Du in Deinem Alter so engangiert zu Werke gehst, auch Deine Jahresfahrleistung liegt weit über der Durchschnittsfahrleistung und zeugt vom Spaß am Hobby.

Ach ja, und wir Rentner/Pensionäre haben ja auch mehr Zeit: "Morgens Jealousie hoch und ---> Feierabend !!"
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Hi,
mach mal ein Fahrsicherheitstraining für die Grundlagen und schau Dich dann mal nach einem Kurvertraining auf der Kartbahn um. Da bekommst Du alles gezeigt was Du dich traust zu fahren. Der Vorteil einer Kartbahn sind die vielen Kurven mit verschieden Radien auf kürzester Strecke, da hast Du auch keine Chance so richtig schnell zu werden. Und wenn Du dann am Ende des Tages nach, mit vielen Pausen zur Analyse, ca. 100km Kurvenhatz vom Motorad steigst denkst Du Du bist das 10fache gefahren. Am nächsten Morgen kommt dann auch noch der Muskelkater ums Eck da Du die ganze Zeit nur von re. nach li. auf dem Motorrad rumgeturnt bist. Diese Kombi aus Fahrsicherheitstraining und Kurventraining auf ner Kartbahn hat mir viel gebracht. Wenn ich früher manche Kurve gefühlt fast zu schnell fuhr, gehts heute genauso schnell aber doch sicher gehen da noch Reserven durch die richtigen Kurventechnik drinn sind.
 
"....in Wechselkurven sehr steif". Ja den Spruch kenn' ich vom Instruktor :Konfus2:

Daraufhin habe ich bewußt daruf geachtet, weich, beweglich, quasi so kurvig wie die Strecke zu sitzen.

Letztlich (in Kurven bzw. Kurvenkombinationen) immer in Bewegung sein.... Knie vor, Schulter vor, Gewichtsverlagerung auf den Rasten, Hüfte beweglich, der Kopf bewegt sich zwecks

Blickführung und Trennung von Fahr- und Blickrichtung ohnehin.

Achte mal drauf ! Das Kurvenfahren wird leichter durch Bewegung und Beweglichkeit. Letztere läßt sich (etwa über den Winter) mit gezielter Gymnastik und Training erreichen.

In "unserem" Alter reicht es einfach nicht mehr, sich draufzusetzen und loszufahren.

Gruß Thomas
 
Was mir immer hilft, um körperlich und auch im Kopf "lockerer" zu werden, ist beim Einrollen am Anfang der Fahrt auf unserer Bundesstraße (außerorts und wenn der Verkehr es zulässt natürlich) die Abbiegepfeile auf der Fahrbahn als Pylonen zu missbrauchen und spielerisch links-rechts-links usw. zu umfahren. Durch die kurzen Abstände der Pfeile und die Geschwindigkeit von 70-90 km/h bleibt einem nichts anderes übrig, als zu drücken bzw. das Mopped unterm Hintern hin und her zu "spielen". Macht Laune und es passiert nix, wenn man's verfehlt (im Gegensatz zu den Pylonen, die ich damals reihenweise mit der Gummikuh abgeräumt habe, weil der Herr Fahrlehrer wohl selber nichts vom Lenkimpuls kannte und nur meinte, ich sei wohl "zu steif in der Hüfte". Depp! Keule).

Drücken nutze ich normalerweise nur, wenns schnell gehen muss, z.B. beim Ausweichen, oder wenn ich in sehr(!) engen Ortsdurchfahrten ums Eck (Beispiel Krälingen/Eifel) nichts sehen kann.
 
a) Thomas! Du weißt doch wie's geht. Und "zu steif" war kein Wechselkurvenproblem, sondern da ging's um die Annäherung an Hang-Off
b) Leute wie der Varahannes empfehlen ja drücken bei räumlich engen Situationen und niedriger Geschwindigkeit, wie beispielsweise Wenden auf der Fahrbahn und Spitzkehren
c) mit der Dicken hab ich mir irgendwann die Drückerei abgewöhnt, weil die dann so schnell mit den Rasten gekratzt hat
d) ich glaub ich weiß garnichtmehr wie drücken geht... und für Hang-Off bin ich erstens zu langsam und zweitens werd ich ja auch nicht jünger... drittens weiß ich echt nicht, wie man beim Quirl die Rasten auf die Straße kriegt... das hab ich an sechs Tagen trotz schludriger Sitzhaltung auf dem Kringel noch nicht hinbekommen.

Wichtiger als die Sitzhaltung sind imho Blickführung und Linienwahl. Wenn das beides einigermaßen klappt, sollte man mal ein Kurventraining machen - für's erste ist Kartbahn sehr geil, weil nicht arg schnell, aber brutal schräg. Mit der CBF braucht man dort garnicht an drücken zu denken, und auch legen kann zu wenig sein, wenn man den Streckenverlauf und die passende Blickführung mal gelernt hat und nicht ausgehebelt werden will... der Instruktor gibt dann weitere Tipps. Ich glaub ja mit Lesen kommt man da nicht wirklich weiter...
Dass so ein Training neben harter Arbeit auch ein Heidenspaß ist, wurde hier mehrfach schon erwähnt. Kostet ein paar Steine, ist's aber allemal wert. Selbst erlebt mit Kurvenkopfkinokandidaten auf dem Weg zum Training und völlig unbeschwert fluffiger Fahrweise auf dem Heimweg. So geht Grinsen :-)
 
Aber bei langsameren Geschwindigkeiten und speziell bei Wechselkurven bin ich dann insgesamt sehr steif - eine schnelle Veränderung des Kurvenradius ist dann oft sehr schwierig.

Moin Fred, ich bin einer der Leute, denen in der Fahrschule der Lenkimpuls nicht beigebracht wurde und danach 20 Jahre versuchte, anstelle des Impulses mit Gewichtsverlagerung den Radius zu ändern. Das taugt ja nun mal nicht wirklich. Nicht das ich dich falsch verstanden habe: wenn die Kurve zu eng wird, mit der unteren Hand einen entsprechend dosierten Nachimpuls geben bzw. so lange mit der Hand den Lenker nach vorn schieben, bis sie endlich noch weiter runter geht. Eine lockere Hüfte unterstützt das natürlich. Mach bitte ein Fahrsicherheitstraining, damit du lernst, was mit deinem Bike in welcher Situation alles möglich ist, und auch um die Schräglagenangst zu reduzieren. Schräglagenangst kommt als Unfallursache durchaus schon mal vor, z.B. bei den sogenannten Alleinunfällen.
 
b) Leute wie der Varahannes empfehlen ja drücken bei räumlich engen Situationen und niedriger Geschwindigkeit, wie beispielsweise Wenden auf der Fahrbahn und Spitzkehren
Macht ja auch irgendwie Sinn, denn durch "Drücken" erhöht man die Schräglage des Motorrades, hält den Schwerpunkt durch aufrechte Körperhaltung aber oben.
Sehr kontraproduktiv in Bezug auf Seitenführungskräfte und ähnliche Krankheiten.
Bis zu einem gewissen Grad ist es natürlich eigentlich wurscht, ob man drückt oder legt, solange man nicht mal ansatzweise in die Nähe von Grenzbereichen kommt.

Beim Legen kann man durch eine positivere Schwerpunktlage eine höhere Kurvengeschwindigkeit erzielen als beim Drücken.
Drücken hingegen ist flexibler, reaktionsschneller umzusetzen (plötzliches unerwartetes Ausweichen, schnelle enge Kurvenabfolge, usw.), und generell einfacher (ich sage nicht "generell besser") bei niedrigen Geschwindigkeiten.

Wenn ich ehrlich bin drücke ich oft, öfter als ich eigentlich möchte.
Im langsamen Bereich sowieso, weil ich dadurch wendig werde.
Auf Land- und Bundesstrassen verwende ich wohl teilweise einen Mix aus Legen/Drücken. Zumindest habe ich selber das Gefühl.
Ich lege mich in die Kurve, und drücke dann noch ein wenig nach.
Obs an evtl. immernoch vorhandener Schräglagenangst, oder am notwendigen nachregulieren von Kurvenlinie/-geschwindigkeit liegt, weiß ich leider nicht.
Vielleicht trügt mich auch mein Gefühl. Habe aber leider keinen Privatinstruktor der das mal überprüfen würde. :11 - lol:
 
danke euch für die vielen Antworten.:Froehlich2:
Die Broschür vom ifz werde ich mir mal reinziehen.

Blickführung ist natürlich auch ein Thema an dem ich noch dran bin.
Solange die Kurve frei ist funktioniert es meistens gut. Muß mich aber immer noch bewußt darauf einstellen - das geht noch nicht automatisch. :mx11:
Bei Gegenverkehr in der Kurve - LKWs, die sich auf meiner Spur breit machen - ist dann dieser vorausschauende Kurvenblick schnell futsch.

Ein spezielles Kurventraining werde ich mal machen. Ist immer besser neuen Input und Gedanken zu bekommen als sich immer nur in gewohnter Weise zu bewegen.

Gruß
Fred
 
Bei Gegenverkehr in der Kurve - LKWs, die sich auf meiner Spur breit machen - ist dann dieser vorausschauende Kurvenblick schnell futsch.
Ein spezielles Kurventraining werde ich mal machen. Ist immer besser neuen Input und Gedanken zu bekommen als sich immer nur in gewohnter Weise zu bewegen.

Gruß
Fred

Gerade DA ist die Blickführung essentiell !!

Kurventraining: Wie schon erwähnt, instruktorgeführtes Training auf einer Kartbahn mit Video-Analyse und Besprechung.

Ei paar Forumsmitglieder sind z.B. am 18.5. auf der Oberbergischen Kartbahn mit MotoTeam Köln als Veranstalter.

Gruß Thomas

P.S. Alter ist keine Krankheit !! :mx31:
 
Kurvenstile Legen, Drücken, Hänging Off und nicht zu vergessen: HängDrüLe

Legen:
Schräglage Motorrad und Körper ergeben eine Achse.
Vorteile:
Stabile Kurvenfahrt, insgesamt besseres Kurvengefühl, Motorrad hat minimal weniger Schräglage​
Nachteile:
Mensch und Motorrad benötigen sehr viel Platz in der Kurve, schnelles Umlegen nur schwer möglich. Weniger Sicht Richtung Kurvenende als beim Drücken.​

Drücken:
Motorrad in Schräglage, Oberkörper aufrecht.
Vorteile:
Schnelles Umlegen bei Wechselkurven, Ausweichen in Notsituationen etc., weitere Sicht in die Kurve, Oberkörper zumindest bei Linkskurven weiter weg vom Gegenverkehr.​
Nachteile:
Motorrad hat deutlich mehr Schräglage dadurch aufsetzen von Rahmenfesten Teilen möglich. Daraus resultiert, das man in Notisituationen keine Schräglage mehr Nachlegen kann. Motorrad kann sich aushebeln.​

Hanging Off:
Oberkörper hängt im Kurven inneren neben der Maschine. Halt auf Supersportlern durch äußeren Unterarm am Tank und Wade an der Sitzbankseite. Äußerer Fuß muss nicht zwingend auf der Raste stehen.
Schnelles Einnehmen der maximalen Schräglage, einfach abwinkeln bis das Knie auf der Erde landet - dadurch längere geradeausfahr möglich (späteres Bremsen etc.) ;-), Motorrad hat weniger Schräglage. Nicht im öffentlichen Verkehr ausprobieren!!!! Bei Notsituationen sind meist keine Handlungen mehr Möglich.​


HängDrüLe
Eine Kombination von allen vorher genannten Kurvenstilen. Oft zu beobachten, weil die Kurvenstile nicht geübt bzw. aus Intuition heraus gefahren werden.


Aus den oben genannten Vor- und Nachteilen ergibt sich folgendes:
Legen bei schnelles und weiten Kurven um max. Kontrolle zu haben.
Drücken bei engen Straßen und Wechselkurven bzw. bei Ausweichsituationen.​


Das ist alles sehr vereinfacht dargestellt, sollte aber helfen.....
Wie hier auch schon Erwähnt: Ohne Blickführung geht nix. Und da hilft oft nur ein Training.
Die meisten Kradfahrer glauben nur, das sie eine richtige Blickführung haben.



Grüße
Blaster


Nachtrag.
Unbedingt Erforderlich sind lockere leicht gebeugte Arme.
Nur damit lässt sich ein drücken des Motorrades effektiv erzielen.
Wer die Arme lang und druchgestreckt hat, kann das Motorrad nicht drücken.
 
Zuletzt bearbeitet:
So hab ichs auch gelernt.
Drücken "nur" wenns schnell gehen muss. Ich mach das aber auch so, nach Lust und Laune. Im Supermoto style.
Beim Legen fühle ich mich mittlerweile sicherer, weil das Bike bei langsamerem Tempo aufrechter steht und somit mehr Grip generiert. Natürlich sind so auch höhere Kurvengeschwindigkeiten möglich :frech4:

Und last, but not least, wird sich am Lenker NICHT festgehalten :mx31:
Festhalten nur mit den Beinen. Die Arme liegen ganz locker auf dem Lenker. Schultern sind entspannt :zwinkern:
 
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