ABS Regelbereich

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jackryan

Gast
Hallo,

habe den warmen Vorwintertag heut noch für eine Ausfahrt genutzt. Und so ganz allein auf breiter trockener Straße bei einem ziemlich fertigen
Satz Reifen dachte ich mir: "Ist so langweilig, probierste mal, ob das ABS auch regelt."

Also erstmal angefangen bei 60 km/h nur hinten voll ins Pedal: Klackerndes Getöse von hinten, aber regelt fein.
Das ganze nochmal bei 80 und bei 100 km/h. Geht ja fein :mx16: , ein bisschen Schlingern, aber gut zu kontrollieren.

Machen wir uns mal am Vorderrad zu schaffen, immer noch freie Bahn, Bundesstraße, Sonnenuntergang.
Wieder bei 60km/h angefangen, wahrscheinlich aus ertser Angst noch nicht voll zugpackt: Es regelt- aber gröber als hinten.
Also nochmal und nochmal bei 60 km/h.
Bei der dritten Bremsung schätze ich, dass ich wirklich voll ins Eisen gegriffen habe. Das Motorrad steht sehr schnell, aber das Heck kommt hoch:08 - boahey:
KLatsch wieder runter, alles gut.
So habe ich dann weiter probiert und erstmal Angst gehabt, dass das ABS nicht richtig regelt.
Nach mehreren Bremsungen war es aber immer so, dass kurz vorm Stand das Vorderrad steht und sich das Heck lupft. Wenn man sowas nicht gewöhnt ist,
geht erstmal die Pumpe, trotzdem war es interessant. Nur bleibt so eine kleine Unsicherheit, die im Fall der Fälle vielleicht nicht gut ist.
Deshalb die Frage:

Ist das normal, wie mein ABS da arbeitet oder sollte ich es überprüfen lassen. Es ist keine CBF sondern eine FJR.

Gruß
Norbert
 
Das ist normal bei den üblichen einfachen ABS-Systemen, die ja eh keine Blockierverhinderer, sondern Blockierbeender sind.

Unter 20-30 km/h arbeiten diese ABS-Systeme nicht und deshalb hebt kurz vorm Stillstand das Heck dann doch ab. Die Restenergie reicht für son Lupfer locker aus, wenn man das zulässt, also wirklich festhält.
Warum arbeiten ABS-Systeme unter 20km/h nicht mehr? Das kann jeder beantworten, der mal beim Moppedschieben beim Lenken die Handbremse gezogen hat. Das Mopped fällt dann einfach um :-)
Also muss man auch vermeiden, dass das ABS im instabilen Bereich die Bremse wieder schließt.

Unabhängig davon, aber passender zu Deiner Beobachtung "regelt gröber als hinten":
Beim ABS-Bremsen (außer bei den neuen Sport-ABS-Anlagen) nie sofort voll zulangen, sondern zunächst die Bremsbeläge gut anlegen und dann voll zu ziehen. Aber direkt hintereinander, quasi solange Du das Wort BREM-SEN aussprichst. Während "BREM" angelegt wird, wird beim "SEN" voll zugezogen und festgehalten festgehalten festgehalten!!

Warum ??

Der Vorgang nennt sich dynamische Radlastverschiebung, Während dem "BREM" rutscht die Last des Motorrades und des Fahrers auf das Vorderrad, das dadurch eine breitere Auflage auf der Straße (der sogenannte Latsch) und damit mehr Grip bekommt. Außerdem verzahnt sich der Gummi dadurch noch besser mit der Strasse. Das Rad kann also hart gebremst weiter rollen, die Bremsscheibe zwischen den Bremsbelägen sich noch losreissen und deshalb kann effektiver gebremst werden. Denn es bremst nur solange effektiv, wie es sich die Scheibe zwischen den Bremsbelägen noch bewegt.
Steht das Rad, rutscht es nur noch über den Bodenbelag mit je nach Belag mehr oder weniger Bremswirkung, die auschließlich aus dem Restgrip resultiert. Da dieser Grip wesentlich geringer sein wird als die Restkraft des Motorrades, das ja mit seiner Last immer noch weiterschiebt, verliert das Vorderrad seine Seitenführung und rutscht seitlich weg, wenn man nicht grad genau 90° Winkel zur Strasse hat, den man ja durch die ausgleichenden Bewegungen zur Gleichgewichtsfindung fast nie und bei langsam werdenden Motorrad erst recht nicht mehr hat.

Wenn Du also sofort zulangst, wird das ABS sehr früh die Bremse lösen und Du fährst auf Grund der noch vergleichsweise hohen Geschwindigkeit ein paar Dezimeter ohne Bremse bevor das ABS wieder zumacht... und danach wieder aufmacht. Du merkts also deutlicher die Regelvorgänge, weil sie pro Meter seltener sind.
Bremst Du, wie oben beschrieben, eine ideale ABS-Bremsung, wird das Motorrad schon vor dem ersten ABS-Eingriff so langsam, das dass das ABS auf den Meter gesehn viel öfter (also feiner) regelt.

Ist also augenscheinlich alles ok bei Deinem ABS.
Leider bekommt man oft vermittelt, dass es angeblich der große Vorteil sei, dass man mit ABS sofort voll reinlangen kann, ohne dass man einen Sturz provoziert wie mit einer Blockierbremsung ohne ABS. Das stimmt nur soweit, wie man genug Platz hat für so eine Bremsung. Denn sie wird, so ausgeführt, im Weg deutlich länger werden als eine gefühlvolle Vollbremsung ohne ABS.

Bremst man aber, wie oben beschrieben, auch mit ABS richtig, dann kombiniert man einen ähnlichen Bremsweg mit der Stabilität des Vorderrades.

Moderne Sport-ABS machen das anders. Aber die Erklärung würde an dieser Stelle nur verwirren. Nur soviel: Sie sind in der Lage mit Hilfe von viel Sensorik und Rechenleistung das Blockieren mehr oder weniger (je nach Wunsch des Fahrers) zu verhindern.


ungebremste Grüße
vom falo
 
Hai Falo,

danke für den aufklärenden Beitrag! Ich versuche mal mich weiter zu entwickeln beim Brem-sen.:zwinkern:

Gruß
Norbert
 
Bevor es missverständlich wird....

Bremst man aber, wie oben beschrieben, auch mit ABS richtig, dann kombiniert man einen ähnlichen Bremsweg mit der Stabilität des Vorderrades.

Besser:
Bremst man aber, wie oben beschrieben, auch mit ABS richtig, dann kombiniert man einen guten Bremsweg mit der Stabilität des Vorderrades.

Die restlichen Schreibfehler schenk ich Euch :-)

korrigierende Grüße
vom falo
 
Das hat Du richtig schön erklärt, Falo :Froehlich2:


Mich hat mein ABS mal überrascht (CB1300):
Ich wollte in eine vorfahrtberechtigte Straße einfahren und "da kam einer" von links. Der blinkte aber rechts, so als wolle er dahin fahren wo ich gerade her komme, also keine Kollisionsgefahr. Ich fuhr also los, leichtsinnigerweise. Meine Sozia begann zu "toben" und ich griff instinktiv voll in die Vorderbremse. Sie hatte im Gegensatz zu mir bemerkt, dass der nur "sinnlos" blinkte, aber gar nicht abbiegen wollte. Danke. :mx1:

Das interessante dabei, das ABS regelte. Ich bekam ca. 3 "Gegenschläge" im Bremshebel zu spüren. Dabei war ich gerade erst losgefahren, ich hatte kaum Schritttempo drauf, ansonsten wären wir ja kollidiert weil er eben nicht abbiegen wollte. Er rauschte problemlos an uns vorbei, denn wir waren maximal 2..3m gefahren, also Kupplung loslassen und Vollbremsung waren fast ein Vorgang. Trotzdem gab es ca. 3 "Regelschläge" im Handbremshebel. Nach meiner bisherigen Kenntnis zum ABS kann das eigentlich nicht sein, aber es war definitiv so. Vielleicht hatte aber auch unser Schutzengel seine regelnde Hand im Spiel. :wirr2:
Wie auch immer und warum auch immer, es ist gut gegangen. Eigentlich weiß ich, dass man Blinkern nicht trauen soll. :frech4:
 
Eine weitere Begründung warum ein einfaches ABS bei geringen Geschwindigkeiten sinnigerweise eher nicht regelt ist, dass es messtechnisch an Grenzen kommt. Die Impulsmarker am ABS-Geber-Rad haben ja einen gewissen Abstand. Bei niedrigen(tm) Geschwindigkeiten kommen die relativ selten(tm) am Sensor vorbei, so dass schnelles(tm) Regeln nichtmehr möglich ist. Ohne schnelles Regeln bleibt aber das Rad entweder zu lange blockiert, oder ungebremst - beides nicht im Sinne des Erfinders und der Beherrschbarkeit des Krades wenig förderlich.

@Falo: erzähl gern mehr über Regelstrategien bei Sport-ABSen!
 
Das hat Du richtig schön erklärt, Falo :Froehlich2:


Mich hat mein ABS mal überrascht (CB1300):
Ich wollte in eine vorfahrtberechtigte Straße einfahren und "da kam einer" von links. Der blinkte aber rechts, so als wolle er dahin fahren wo ich gerade her komme, also keine Kollisionsgefahr. Ich fuhr also los, leichtsinnigerweise. Meine Sozia begann zu "toben" und ich griff instinktiv voll in die Vorderbremse. Sie hatte im Gegensatz zu mir bemerkt, dass der nur "sinnlos" blinkte, aber gar nicht abbiegen wollte. Danke. :mx1:

Das interessante dabei, das ABS regelte. Ich bekam ca. 3 "Gegenschläge" im Bremshebel zu spüren. Dabei war ich gerade erst losgefahren, ich hatte kaum Schritttempo drauf, ansonsten wären wir ja kollidiert weil er eben nicht abbiegen wollte. Er rauschte problemlos an uns vorbei, denn wir waren maximal 2..3m gefahren, also Kupplung loslassen und Vollbremsung waren fast ein Vorgang. Trotzdem gab es ca. 3 "Regelschläge" im Handbremshebel. Nach meiner bisherigen Kenntnis zum ABS kann das eigentlich nicht sein, aber es war definitiv so. Vielleicht hatte aber auch unser Schutzengel seine regelnde Hand im Spiel. :wirr2:
Wie auch immer und warum auch immer, es ist gut gegangen. Eigentlich weiß ich, dass man Blinkern nicht trauen soll. :frech4:

Tja Martin, statt dich zu fragen ob da Technik (pulsierend) im Spiel war, solltest du dir lieber darüber klar sein:

Deine Sozia hat eine irre Reaktionsfähigkeit!

Oder eine unglaublich schnelle Hand.......auf-zu-auf-zu........

Oder das war ihr Herzschlag der merklich so pulsierte!

Hey Martin.........ich glaube ich sollte dich in allen drei Fällen beneiden!


:narr: :narr:....was war jetzt noch mal das Thema.....????:narr:

Duck und wech......:computer_kaffee:
 
Beim ADAC Fahrsicherheitstraining hat der Instructor sinngemäß gesagt:

"Wenn bei einer Vollbremsung mit ABS das Hinterrad nicht ein wenig abhebt, habt ihr nicht voll gebremst." :zwinkern:

Stimme dir aber zu das diese Erfahrung bei den ersten mal sehr unangenehm ist. :grinsen:


kulbi
 
Die untere Regelgeschwindigkeit liegt bei etwa 6 - 10 km/h

Was Falo hinsichtlich der dynamischen Radlastverschiebung schreibt ist grundsätzlich korrekt.... aber im Fall eines Falles nur von wenigen, ganz wenigen die das ausführlichst und oft geübt haben, auch umsetzbar.
I.d.R. macht du in der Schreck/Panikbremsung nur eines..... die Bremse zu... richtig zu.

Ja damit hast du oft einen längeren Bremsweg..... aber am Ende zählt nicht der Bremsweg, sondern der Anhalteweg. Und da kann am Ende auch mal zögerliches Anfangsbremsen negative sein (wenn man z.B. das Wort Brem-sen zu langsam ausspricht)

ABS Fahrer üben meist das Bremsen im ABS-Regelbereich viel zu wenig.... und wenn dann meist nur auf optimalen Straßen. Macht das ganze mal auf einer Landstraße 2.Ordnung und wundert euch, wie schnell so ein Fahrwerk an seine Grenzen kommt, wie wichtig die richtige Abstimmung der Gabel, die richtige Federhärte usw. ist. Oft ist es nicht die Bremsanlage oder der Gebrauch derselben... oft ist es das Fahrwerk und dessen Abstimmung die die Grenzen setzt.





+
 
Topp.... Ich bin immer wieder überrascht, wie lang dann der Bremsweg bei nasser Fahrbahn ggb trockener wird...
Oder wenn die Straße nicht plan ist, sondern das VR zwischenzeitlich mal weniger Gripp hat...
 
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