Blaster
Member
Hallo zusammen,
ich möchte heute, eine in loser Reihenfolge erscheinende Serie starten, die sich mit dem Thema Fahrsicherheit beschäftigen soll.
Dabei soll es weniger um die (hoffentlich) schon bekannten Themen, wie das richtige Bremsen oder die sichere Kurvenlinie etc. gehen, sondern ich möchte mich etwas mehr auf die Mensch-Maschine Schnittstelle konzentrieren und warum Fahrphysikalisch so viel brachliegendes potential in der geistigen Ruhe und Leistungsfähigkeit des Menschen und des Motorrades liegt.
Grundsätzliches
Motorradfahren ist ein stetiges Zusammenspiel von Physik, Technik und Mensch.
Die Physik ist ein Naturgesetz, dieses ist unveränderlich und jeder Fahrer muss sich bewusst darüber sein, dass diese Grenzen nicht überschritten werden dürfen.
Die Technik muss in einem guten Zustand sein. Auch das Bewusstsein über eine gute und funktionierende Technik hat Einfluss auf die spätere Fahrt.
Die Physis (körperliche Beschaffenheit) ist zum größten Teil dafür Zuständig, ob wir unseren Motorradtag genießen und in evtl. außergewöhnlichen Situationen überhaupt handeln können.
Die Psyche (Gesamtheit des menschlichen Fühlens, Empfindens und Denkens) ist die Schaltzentrale zwischen dem „Gewollten“ (Wunschdenken) und der Technik (Motorrad und Fahrphysik)
Fangen wir an mit einer typischen Kurvensituation, die wahrscheinlich schon jeder von uns erlebt hat:
Wir fahren auf eine Kurve zu und denken / fühlen irgendwann am Anfang des Kurvenverlaufs - Mist, ich bin zu schnell.
Für dieses Problem gibt es diverse Lösungsansätze.
Gas zumachen ist einer der am häufigsten gewählten Mittel, danach folgt das Bremsen. Wenige versuchen die Situation durch ziehen der Kupplung zu entschärfen.
Nur die Allerwenigsten versuchen mehr Schräglage einzunehmen.
Wie kommt es nun zu dieser Reihenfolge?
Hier müssen wir uns erstmal klarmachen, warum wir den Eindruck haben in der Kurve zu schnell zu sein. Wir haben den Eindruck weil wir uns an der psychischen Schräglaglagengrenze bewegen.
Moderne Motorräder mit aktueller Technik (Reifen, etc.) können problemlos Schräglagen jenseits der 60 Grad fahren, wenn alle Bedingungen stimmig sind (Fahrbahnbeschaffenheit, Reifenzustand, etc.).
Aber wie sieht es mit unserem „Kopf“ aus, wie viel Schräglage kann unsere Psyche zulassen?
Diese Größe ist variabel und hängt von vielen Faktoren ab.
Eine der wichtigsten Faktoren ist das Training.
Wir Menschen sind evolutionär betrachtet Läufer.
8 bis 10 km/h und eine „Schräglage“ von 8 bis 12 Grad sind uns quasi angeboren.
Alles was darüber hinaus geht ist Training.
Wir sind schlicht nicht geschaffen für Geschwindigkeit jenseits der 100 km/h und Schräglagen von 60 Grad!
Schräglagen-„Angst“ ist mit der Höhenangst vergleichbar. Denn auch die Gewöhnung an die Höhe wurde uns nicht in die Wiege gelegt, wir sind ja keine Vögel.
Als Kinder konnten wir Problemlos auf Bäume klettern, uns war damals die Höhe egal. Viele von Euch kennen wahrscheinlich die „Altershöhenangst“. Wobei Angst eigentlich durch Entwöhnung ersetzt werden müsste. Heute wäre uns sehr mulmig auf dem gleichen Baum unserer Kindheit.
Ich hatte noch vor 2 Jahren Höhenangst, konnte aber durch das Hallenlklettern meine Angst vor der Höhe überwinden. Ich bin nicht Angstfrei, aber es wird immer besser. Ich trainiere meine Gewöhnung an die Höhe.
Übertragen auf die gefahrene Schräglage bedeutet dies. Wir müssen Schräglage trainieren, um uns in Kurven wohl zu fühlen. Überschreiten wir unsere Schräglagen-Komfortzone fühlen wir uns unwohl.
Hinzu kommt, dass man eigentlich nie weiß, wie viel Schräglage man aktuell fährt.
Wie wichtig ist denn nun in einer Gefahrensituation oder in der oben beschrieben Kurvensituation die mentale „Schräglagenfreiheit“?
Viel wichtiger als viele glauben!
Die meisten Unfälle in einer Kurve passieren nicht durch zu viel Schräglage (Verlust der Haftung), sondern durch zu wenig Schräglage (abkommen von der Fahrbahn durch falsche Reaktionen auf die „Gefahr“).
In den nächsten Folgen möchte ich genau diesen Ansatz aufgreifen und erläutern, warum auch für die Fahrphysik die mentale Schräglage so wichtig ist, wie wir unsere Komfortzone verbessern können und warum fahrphysikalisch das ein oder andere antrainierte Handlungsmuster kontraproduktiv sein kann. Was müssen wir an unseren Handlungsmustern verändern?
Grüße
Blaster
ich möchte heute, eine in loser Reihenfolge erscheinende Serie starten, die sich mit dem Thema Fahrsicherheit beschäftigen soll.
Dabei soll es weniger um die (hoffentlich) schon bekannten Themen, wie das richtige Bremsen oder die sichere Kurvenlinie etc. gehen, sondern ich möchte mich etwas mehr auf die Mensch-Maschine Schnittstelle konzentrieren und warum Fahrphysikalisch so viel brachliegendes potential in der geistigen Ruhe und Leistungsfähigkeit des Menschen und des Motorrades liegt.
Grundsätzliches
Motorradfahren ist ein stetiges Zusammenspiel von Physik, Technik und Mensch.
Die Physik ist ein Naturgesetz, dieses ist unveränderlich und jeder Fahrer muss sich bewusst darüber sein, dass diese Grenzen nicht überschritten werden dürfen.
Die Technik muss in einem guten Zustand sein. Auch das Bewusstsein über eine gute und funktionierende Technik hat Einfluss auf die spätere Fahrt.
Die Physis (körperliche Beschaffenheit) ist zum größten Teil dafür Zuständig, ob wir unseren Motorradtag genießen und in evtl. außergewöhnlichen Situationen überhaupt handeln können.
Die Psyche (Gesamtheit des menschlichen Fühlens, Empfindens und Denkens) ist die Schaltzentrale zwischen dem „Gewollten“ (Wunschdenken) und der Technik (Motorrad und Fahrphysik)
Fangen wir an mit einer typischen Kurvensituation, die wahrscheinlich schon jeder von uns erlebt hat:
Wir fahren auf eine Kurve zu und denken / fühlen irgendwann am Anfang des Kurvenverlaufs - Mist, ich bin zu schnell.
Für dieses Problem gibt es diverse Lösungsansätze.
Gas zumachen ist einer der am häufigsten gewählten Mittel, danach folgt das Bremsen. Wenige versuchen die Situation durch ziehen der Kupplung zu entschärfen.
Nur die Allerwenigsten versuchen mehr Schräglage einzunehmen.
Wie kommt es nun zu dieser Reihenfolge?
Hier müssen wir uns erstmal klarmachen, warum wir den Eindruck haben in der Kurve zu schnell zu sein. Wir haben den Eindruck weil wir uns an der psychischen Schräglaglagengrenze bewegen.
Moderne Motorräder mit aktueller Technik (Reifen, etc.) können problemlos Schräglagen jenseits der 60 Grad fahren, wenn alle Bedingungen stimmig sind (Fahrbahnbeschaffenheit, Reifenzustand, etc.).
Aber wie sieht es mit unserem „Kopf“ aus, wie viel Schräglage kann unsere Psyche zulassen?
Diese Größe ist variabel und hängt von vielen Faktoren ab.
Eine der wichtigsten Faktoren ist das Training.
Wir Menschen sind evolutionär betrachtet Läufer.
8 bis 10 km/h und eine „Schräglage“ von 8 bis 12 Grad sind uns quasi angeboren.
Alles was darüber hinaus geht ist Training.
Wir sind schlicht nicht geschaffen für Geschwindigkeit jenseits der 100 km/h und Schräglagen von 60 Grad!
Schräglagen-„Angst“ ist mit der Höhenangst vergleichbar. Denn auch die Gewöhnung an die Höhe wurde uns nicht in die Wiege gelegt, wir sind ja keine Vögel.
Als Kinder konnten wir Problemlos auf Bäume klettern, uns war damals die Höhe egal. Viele von Euch kennen wahrscheinlich die „Altershöhenangst“. Wobei Angst eigentlich durch Entwöhnung ersetzt werden müsste. Heute wäre uns sehr mulmig auf dem gleichen Baum unserer Kindheit.
Ich hatte noch vor 2 Jahren Höhenangst, konnte aber durch das Hallenlklettern meine Angst vor der Höhe überwinden. Ich bin nicht Angstfrei, aber es wird immer besser. Ich trainiere meine Gewöhnung an die Höhe.
Übertragen auf die gefahrene Schräglage bedeutet dies. Wir müssen Schräglage trainieren, um uns in Kurven wohl zu fühlen. Überschreiten wir unsere Schräglagen-Komfortzone fühlen wir uns unwohl.
Hinzu kommt, dass man eigentlich nie weiß, wie viel Schräglage man aktuell fährt.
Wie wichtig ist denn nun in einer Gefahrensituation oder in der oben beschrieben Kurvensituation die mentale „Schräglagenfreiheit“?
Viel wichtiger als viele glauben!
Die meisten Unfälle in einer Kurve passieren nicht durch zu viel Schräglage (Verlust der Haftung), sondern durch zu wenig Schräglage (abkommen von der Fahrbahn durch falsche Reaktionen auf die „Gefahr“).
In den nächsten Folgen möchte ich genau diesen Ansatz aufgreifen und erläutern, warum auch für die Fahrphysik die mentale Schräglage so wichtig ist, wie wir unsere Komfortzone verbessern können und warum fahrphysikalisch das ein oder andere antrainierte Handlungsmuster kontraproduktiv sein kann. Was müssen wir an unseren Handlungsmustern verändern?
Grüße
Blaster
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